Roadtrip in die Bretagne
Wingfoilen und Wellenreiten im Südwesten der Region Finistère
Es war wieder Zeit für den nächsten Roadtrip. Zur Auswahl bei Annes Reiseplänen standen Dänemark oder die Bretagne. Hier findet ihr den Report zur Reise im Juni 2026.
Von der Windvorhersage hatte Hanstholm die Nase klar vorne, aber irgendwie zog es mich dann doch Richtung La Torche. Meine Lieben hatten keinen Urlaub und so machte ich mich allein auf den Weg. In La Torche traf ich mich mit meiner Freundin Cornelia aus den Niederlanden, die zufällig zur gleichen Zeit Urlaub hatte wie ich.
Obwohl ich an diesem Tag schon acht Stunden Autofahrt in den Knochen hatte, ging es am späten Nachmittag direkt noch ins Wasser zum Wellenreiten.
Für einen Donnerstagabend mit Wellen war es angenehm leer auf dem Wasser. Als auffallend hoch empfand ich die Anzahl der weiblichen Wellenreiter. Am nächsten Tag dieselben Gesichter auf dem Parkplatz und so ergab sich der ein oder andre Smalltalk. Der vorhergesagte Wind hatte sich in Luft aufgelöst und so war wieder gemütliches Wellenreiten in einem überschaubaren Lineup angesagt.
Aus den Smalltalks mit den Nicht-Locals wurde Konversation und so glich der Besuch auf dem Markt in Pont-Coixe am Abend schon eher einem Meet und Greet. Es war nicht so verwunderlich, dass man sich hier traf, denn allzu viel war gerade in dieser Region nicht los.
Die Suche nach dem eigentlich vorhergesagten Wind ging weiter. Es wurden die verschiedensten Spots gecheckt, aber kein Wind weit und breit. Ich entschloss mich dann trotz Hitze die Spots an den schönen weißen Stränden um Guilvinec mal mit dem Bike abzufahren, denn an diesem Tag waren ausnahmsweise mal keine Wellen.
Am nächsten Tag hieß es weiter fleißig Wellenschlitzen im meist weiblichen und angenehm überschaubaren Lineup. Es herrschte generell eine sehr entspannte und gechillte Stimmung, was das Wellenreiten zum reinen Vergnügen machte.
Aber ich wollte ja auch Wingfoilen und dann sollte es endlich so weit sein. Cornelia und ich machten uns auf dem Weg zu einem passenden Wingfoil-Spot. Nur statt Wind sah man am Horizont des wunderschönen Strandes mit seinem türkisfarbenen Wasser dunkle Wolken aufziehen. Nächster Spot Audierne - auch hier Gewitterwolken. Die Gewitterzellen zogen vom Süden nach Norden und so beschlossen wir wieder in Richtung La Torche zu fahren.
An Penhors war das Gewitter schon vorbeigezogen, der Wind setzte ein und obwohl noch kein andre Winger in Sicht war, ging es hier aufs Wasser. Der Wind war zwar schwach und böig, aber wir hatten richtig viel Spaß, über das klare türkisfarbene Wasser zu fliegen. Es gab schön viel Platz, denn es gesellten sich nur drei weiteren Wingfoiler zu uns. Etwas Respekt hatte ich vor den riesigen Quallen, die man auf Grund des klaren Wassers sehr gut sehen konnte.
Am späten Nachmittag gesellten sich dann wieder ein paar Wellenreiterinnen zu uns nach Penhors, aber an diesem Tag wurden die sonst so schönen Wellen vom Wind verblasen.
Nach noch einem geselligen Abend im Strand Café passierte es dann. Der Albtraum alleinreisender Wohnmobilisten, ich knickte beim Aussteigen aus meinem Van um. Ausgerechnet der rechte Fuß, der Fuß, den man braucht, um sein rollendes zu Hause von A nach B bewegen zu können. Nachts konnte ich dann plötzlich gar nicht mehr auftreten und hatte verstärkt Schmerzen. In meinem Kopf spielte ich plötzlich etliche Szenarien durch, was wäre, wenn?
Ich war so froh, dass ich in diesem Moment wusste, neben mir stehen noch andre Vans und ich wusste, im Notfall wird mir geholfen. Erstaunlicher weiße galt meine größte Sorge meinem „Büsschen“. Die Vorstellung, dass ich meinen Van vielleicht irgendwo in Frankreich allein und verlassen stehen lassen müsste, behagte mir so gar nicht.
Zum Glück am Morgen Entwarnung. Über Nacht hatte sich an meinem Fuß alles wieder so sortiert, dass ich schmerzfrei Auftreten und auch Autofahren konnte.
Sport wollte ich wegen der nahenden langen Rückfahrt aber mit dem Fuß trotzdem lieber nicht machen. Stattdessen schaute ich Cornelia beim Stand-up Paddeln und den anderen beim Wellenreiten zu, genoss nochmal die Sonne und das Beach Feeling.
Das mit dem Fuß passierte zum Glück am vorletzten Tag und ich hatte schon etliche schöne Wellenritten und einen schönen Wingfoiltag in der Tasche.
Selten hatte ich einen Surfspot mit so viel positiven und entspannten Vibes erlebt. Vielleicht lag es daran, dass nur sehr wenig Touristen unterwegs waren oder vielleicht daran das sich hauptsächlich Frauen die Wellen teilten?
Für mich bestätigte sich aber wieder eins, nicht die weltbesten Surfbedingungen machen einen Surf Trip zu einem Besonderen, sondern es sind die Begegnungen, die besonderen Momente und die Vibes die einem in Erinnerung bleiben.
10.07.2026 © WING DAILY | Text: Anne Stevens | Fotos/Grafiken: Anne Stevens | Translation: EN