Roadtrip nach Spanien
Wingfoilen und Windsurfen auf dem Mittelmeer
Anne Stevens startete zum Jahreswechsel einen Roadtrip durch Frankreich bis nach Spanien:
Wenn man sich im Winter auf den Weg in den Süden macht, dann meist in der Hoffnung, dass es dort schön sonnig und warm ist. Im zurückliegenden Dezember war die Vorhersage für die Zielregion aber nicht so berauschend, es hatte in den letzten Tagen dort viel geregnet und warm war es auch nicht gerade, aber voller Zuversicht machte ich mich am zweiten Weihnachtstag trotzdem auf den Weg in Richtung Iberische Halbinsel.
Da dieses Mal Avignon und Arles auf meiner Liste der zu besuchenden Orte standen, fuhr ich auf dem Hinweg nicht meine Lieblingsstrecke über die A75 (eine ca. 340 km lange und überwiegend mautfreie Autobahn in Frankreich).
Bis zum Übernachtungsort kurz vor Lyon gibt es noch eine gut zu fahrende Strecke über die Landstraße, aber ab Lyon nahm ich dann doch die mautpflichtige Autobahn, denn auf der Landstraße von Lyon nach Avignon folgt ein Kreisverkehr dem nächsten. Für die knapp 250 km hätte ich mehr als zwei Stunden länger gebraucht, als bem der Wahl der Autoroute.
Die ca. 35 Euro Maut waren also gut investiert, denn Avignon ist eine wunderschöne kleine Stadt und bei strahlend blauem Himmel machte der Bummel durch die alten Gassen doppelt so viel Spaß.
Auch Arles mit seinem Amphitheater ist sehenswert, kommt aber an dem Charme von Avignon nicht ganz ran.
Zum Übernachten ging es dann vorbei an etlichen ‚tierischen‘ Highlights nach Saint Marie de la Mer. Vom Camargue-Pferd, über Flamingos bis hin zum Otter bekam ich auf dieser Strecke mehr als zehn verschiedene Tierarten zu sehen.
An der Küste entlang ging es dann am nächsten Tag Richtung Gruissan. Da noch kein Wind in Sicht war, nahm ich mir Zeit und schaute mir auf dem Weg noch Séte an. Die kleine Stadt mit ihren Wasserstraßen wird auch das kleine Venedig Südfrankreichs genannt.
Bis jetzt hatte ich jeden Tag Sonne und so machte ich mich von Gruissan auf mit dem Fahrrad Richtung Narbonne Plage und Saint-Pierre-La-Mer. Beide Orte sind nicht wirklich sehenswert, aber die 40 km lange Radtour am Meer entlang war trotzdem sehr schön.
Dann war es endlich so weit, es war Wind angesagt, sehr viel Wind und schon bei meiner Ankunft auf dem Stellplatz Le Goulet in Leucate war mir klar, dass Wingen für mich heute keine Option sein würde. Also das 3.7er Segel aufgebaut und schon ging es mit dem Waveboard auf den Speedkurs.
Da ich zu faul war, die Fußschlaufen umzustellen, ging es bei dem vermeidlich warmen Sonnenschein mit dünnen 3mm Schuhen aufs Brett. Aber das war dann doch viel kälter als ich gedacht hatte, auch die Wassertemperaturen lagen deutlich unter meinen Erwartungen.
Trotz eiskalten Füßen und stark böigem Wind gefiel es mir mit Speed übers Wasser zu fliegen. Die Tachonadel meiner Uhr zeigt am Ende 44 km/h an und auch wenn Speed eigentlich gar nicht mein Ding ist, hatte ich mal wieder richtig viel Spaß beim Windsurfen. Davon hätte ich gerne mehr gehabt, aber leider war die Windphase in Leucate dann auch schnell wieder vorbei.
Außer ein paar Einheimischen und vielleicht noch drei bis vier Surfern vom Wohnmobilstellplatz war echt wenig los in Leucate. Deshalb und wegen der erneuten Aussicht auf Wind, beschloss ich am nächsten Tag mein Glück im spanischen El Port de la Selva zu suchen. Um dort hinzukommen, entschied ich mich ganz bewusst wieder für die Küstenstraße, denn das ist einfach eine traumhaft schöne Strecke.
Der Spot kurz hinter der französisch-spanischen Grenze reizte mich schon länger, aber ich hatte dort bis jetzt nie Glück mit dem Wind. Bei Nordwind bläst es genau in die kleine Bucht, so dass man im Notfall zurück an den breiten Sandstrand gespült wird.
Dieses Mal hatte ich Glück, es waren sicher schon sechs bis sieben Winger und ein Windsurf-Foiler auf dem Wasser. Der Wind war zwar böig und gerade so an der Gleitgrenze, aber ich hatte mega Spaß. Allein schon die Kulisse von El Port de la Selva unter dem blauen Himmel machte die Session zu einem Hochgenuss.
Nach dem Surfen musste ich mich sputen, ich wollte Silvester gerne auf einem Stellplatz mit einer richtig guten Dusche verbringen und versuchte mein Glück etwas weiter südlich in Roses. Aber alles war gerammelt voll, schon vor den einschlägigen Stellplätzen standen etliche Wohnmobile. So voll hatte ich das in all den Jahren noch nie gesehen.
Das Ende vom Lied: Ich startete auf einem Lidl-Parkplatz ins neue Jahr. Das fand ich aber gar nicht tragisch, mit mir waren noch viele andere Wohnmobilsten dort gestrandet und rutschten mit mir ins neue Jahr.
Im neuen Jahr fand ich in L’Estartit dann einen Stellplatz mit Dusche und nutzte die folgenden windstillen Tage für schöne Wanderung und Sightseeing in der Region. Ganz besonders gut haben mir die Wege durch und rund um Llafranc und Calle de Palafrugell gefallen.
Das Wetter spielte super mit, ich hatte jeden Tag Sonne und das ist genau das, was ich in einem Winterurlaub brauche. Dabei war es auch egal, dass die Temperaturen für diese Jahreszeit in dieser Region schon sehr niedrig waren.
Für die nächsten Tage war wieder Wind angesagt, aber die Temperaturen sollten sich bei um die 3-8 Grad einpendeln. Nicht viel, aber mit Sonnenschein sollte das OK sein.
Aufs Wasser ging es dann zum Wingen wieder in El Port de la Selva. Auf dem Weg über den Strand kam mir ein Spanier entgegen, ich befürchtete schon es sei ihm zu windig, aber nein "ihm wäre das zu kalt".
Unbeirrt ging ich mit meinen kleinen 2.5er Baby-Wing an den Start. Dieses Mal hatte ich meine 5mm Booties an und da das Wasser nicht ganz so kalt war, habe ich auch nicht gefroren. Der starke und sehr böige Wind und auch die hohe Dünung von der Seite machte das Wingfoilen nicht gerade einfach, aber trotzdem hatte ich noch mal eine schöne Session in El Port de la Selva.
Für den nächsten Tag war noch deutlich mehr Wind angesagt und es sollte noch kälter werden. Es war eh mein vorletzter Tag und angesichts der Schneevorhersage für meinen Rückweg sparte ich mir diese eine Session und machte mich wieder auf den Weg in Richtung Norden.
Meine geliebte mautfreie Strecke über die A75 führte mich wieder ohne einen einzigen Stau bis nach Hause, noch gerade rechtzeitig vor der großen Schneewetterlage.
Wenn es auch in diesem Jahr nicht gerade warm war, hatte ich wieder eine sehr gelungene Auszeit, mit sehr viel Sonnenschein, eindrucksvolle Sightseeing Momenten und drei sehr schönen Sessions auf dem Wasser.
26.03.2026 © WING DAILY | Text: Anne Stevens | Fotos/Grafiken: Anne Stevens