8188 km - Roadtrip zum Nordkap
Ein Reisebericht von Anne Stevens
Wohin im Sommer? Selbst in Deutschland gingen die Temperaturen mit um die 40° C durch Decke, so dass eine Reise in den Süden für den Sommerurlaub keine Option war. Eine Tour in die entgegengesetzte Richtung rückte in den Fokus, zumal das Nordkap noch auf meiner Bucket Liste stand.
Also machten wir uns zu zweit samt unserem Hund Pelle auf zu einer großen Skandinavien-Reise. Dieses Mal kein Surftrip im eigentlichen Sinne, sondern eher mit dem Weg als Ziel ist, aber natürlich mit Wingfoil-, Windsurf- und Wellenreit-Spielzeug an Bord, um für Wind und Wellen gerüstet zu sein.
Los ging es über den Landweg mit einem Besuch in Kopenhagen, dann weiter nach Schweden. Naja, was soll ich sagen - ganz ohne Spot-Check kann ich natürlich nicht und so wurde ein Stopp in Lomma, in der Bucht oberhalb von Malmö, mit einer Gassi-Runde verbunden. In Lomma wehte der Wind auflandig und einige Kiter waren auf dem Wasser.
Etwas weiter nördlichere lag der Spot Habo Ljund auf unserem Weg. Dort waren viele Windsurfer auf dem Wasser, aber kein einziger Winger. Ich überlegt, ob ich auch kurz zum Windsurfen rausgehen sollte, aber es schien ziemlich kabbelig zu sein. Mit einer gerade auskurierten Fußverletzung wollte ich das aber nicht riskieren, zumal wir gerade erst am Anfang der langen Reise standen.
Also ging es weiter zum nächsten Ziel, nach Gränna am Vättern See. Dort besuchtem wir eine der vielen Zuckerstangen-Produktionen, für die diese Region bekannt ist. Aber ein Auge hatte ich natürlich auch auf diesen riesigen See. Es war windig, allerdings kein einziger Wassersportler zu sehen - nicht mal ein Segelboot, nichts.
Die Fahrt führte uns am nächsten Tag mit einer ausgiebigen Pause im wunderschönen Sigtuna an die Ostküsten Schwedens. Wir fuhren immer mal wieder einen der vielen Strände an, um dort bei Spaziergängen die wunderschöne Natur zu genießen. Nach meinen Recherchen gibt es oberhalb von Stockholm keinen nennenswerten Surfspots, doch in Sörfjärden sah ich vollkommen unerwartete den ersten Wingfoiler auf dieser Reise. Allerdings wehte es nicht stark genug und er versuchte vergeblich ins Fliegen zu kommen.
Weiter ging die Reise über Schwedens „Golden Gate Bridge“, der Högakustenbron in Richtung Norden. Bis dahin hatten wir super Glück mit dem Wetter, aber die Vorhersage sah nicht gut aus: Regen, Regen, Regen. Bei regenreichem Wetter sah die Region nicht so einladend zum Verbleib aus und so ging es ohne große Highlights weiter nach Finnland. Dort übernachteten wir am Santa Claus Village Rovaniemi und überquerten den Polarkreis.
Endlich, jetzt sollte es doch mal mit den Rentier-Sichtungen funktionieren. Und tatsächlich, plötzlich standen sie mitten auf der Straße. Für die Einheimischen, die einfach dran vorbei kurvten, nichts Besonderes, aber wir konnten uns gar nicht genug an den Rentieren sattsehen. Diese großartigen Tiere sollten wir ab nun immer wieder sehen, denn es ging ja noch weiter Richtung Norden.
Nach unserer ersten Übernachtung in Norwegen, ging es bei deutlich besserem Wetter bis ans Nordkap. Wir hatten mega Glück: Die Fahrt zum (fast) nördlichsten Punkt Europas wurde bei einem Sonne-Wolken-Mix zum - bis dato - Highlight unserer Route. Auf der eine Seite der Straße der Porsangerfjord und auf der anderen die Berge, die sich durch das wechselnde Licht immer wieder in eine einzigartige Kulisse verwandelten.
Immer wieder kreuzten Rentiere und Schafe unseren Weg. Dann waren wir da, nach gut 3350 km standen wir an der Metallkugel, die wir aus etlichen Videos kannten. Während diese in den meisten Videos vom Nebel umhüllt ist, hatten wir Glück, freie Sicht auf die Kugel und die Barentssee. Ein Regenbogen krönte die einzigartige Aussicht und so verließen wir beseelt das bei nur 6 °C ziemlich kühle und windige Nordkap.
Es ging weiter, wieder an den norwegischenn Fjorden und Bergen entlang, auf einer atemberaubenden Küstenstraße bis auf die Lofoten.
Der Regen hatte uns wieder eingeholt und so wirkte die Anfahrt zu dem Ort, auf den ich mich schon die ganze Fahrt gefreut hatte, eher duster. Ein bisschen so, wie ich es aus den Videos kannte. Und da war sie, die Bucht von Unstad, dem nördlichsten Wellenreitspot der Welt.
Es gab nur wenig Parkplätze, aber wir hatten Glück und erwischten noch einen. Die Wellen waren an diesem Tag eher klein und viele Surfer fuhren wieder. Ein Norweger versuchte mit seinem Sohn ein paar Wellen zu erwischen und so saß ich nicht ganz allein im Line-up. Auch wenn die Wellen nicht groß waren und ich aus Platzgründen nur ein 8.0er Softboard dabei hatte, machten die kleinen Wellen einen Heidenspaß.
Diese Kulisse, diese düstere Stimmung, das kalte klare Wasser und das Wissen an einen ganz besonderen Ort ein paar Wellen zu reiten, machten diesen Tag für mich unvergesslich.
In der Hoffnung dort auch noch ein paar Wellen zu erwischen, buchten wir uns in Flakstad auf dem Beach Camping ein. Doch Wellen gab es keine mehr, dafür wieder Regen. Alles wirkte so düster und selbst die wunderschönen Strände mit dem eigentlich türkisfarbenen Wasser kamen nicht mal halb so gut zur Geltung. So machten auch die Wanderungen an den kommenden Tagen nicht wirklich Spaß und wir beschlossen die Lofoten nach ein paar Tagen wieder zu verlassen.
Es ging wieder Richtung Süden, dieses Mal über Kiruna mitten durch Schweden. Auch wenn wir stunden- buw. sogar tagelang durch Schwedens Wälder fuhren - ein Tier wollte uns partout nicht vor die Linse laufen: der Elch.
Den riesigen Vänernsee ließen wir links liegen und fuhren an die Küste, um uns Schwedens wunderschöne Schärenlandschaft nördlich von Göteborg anzuschauen.
Bei Sonnenschein sahen die bezaubernden Orte Fjällbacka und Smögen fasst aus wie gemalt und es kam auch wieder Sommer-Feeling auf. Endlich wieder kurze Hose und Flip-Flops - so ging es nach Apelviken bei Varberg, die Surfhochburg an der Westküste Schwedens.
Als wir ankamen tummelten sich schon endliche Winger und Windsurfer auf dem Wasser und für mich hieß es: nichts wie rein in den Neo und rauf aufs Wingfoil-Board. Zu meinem Fuß hatte ich wieder einigermaßen Vertrauen, aber Sprünge verkniff ich mir sicherheitshalber doch noch.
Obwohl viele Leute auf dem Wasser waren, verteilte es sich gut in der großen Bucht, so dass ich in Ruhe mit meinem 3.5er Wing übers Wasser fliegen konnte. Am nächsten Tag reichte der Wind nochmal für den 4,5m² Wing und so hatte ich dann doch noch zwei schöne Tage auf dem Wasser.
Ganz langsam ging es dann wieder die Küste entlang Richtung Malmö. Eigentlich sollte es keinen Wind mehr geben, aber am späten Nachmittag erspähte ich dann noch mal ein paar Winger.
Wir waren an dem wunderschönen breiten Strand in Ringenäs gelandet. Hier gibt es einen sehr großen Parkplatz, ideal um aufs Wasser zu gelangen. Es war allerdings schon spät und die meisten Winger kamen nicht mehr ist Fliegen, so dass ich mein Material nicht mehr auspackte.
Nach zwei weiteren Fahrtagen und schlappen 8188 km kamen wir dann wieder gut zu Hause an. Jeder Kilometer dieser Reise war es wert, auch wenn wir auf den Lofoten etwas Wetterpech hatten. Die atemberaubenden Landschaften, die wunderbaren Tiere und auch die unerwarteten Surf-Sessions machten diese Reise zu einem einzigartigen und unvergesslichen Roadtrip.
Noch etwas hat uns sehr begeistert und das habe ich noch gar nicht erwähnt. Bis auf ein paar wenige Ausnahmen hatten wir jeden Tag Stellplätze mit Blick aufs Wasser. Mal auf die Ostsee, auf einen Fjord, einen See oder auf das Kattegat. Aus unseren Busfenster hatten wir immer eine wunderbare Aussicht, egal ob auf den von uns gewählten Stellplätzen in der Natur oder den Campingplätzen.
11.10.2026 © WING DAILY | Text: Anne Stevens | Fotos/Grafiken: Anne Stevens | Translation: EN